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Die Kooperation der kleinen Unternehmen für den fairen Wettbewerb mit den Grossen

Welche Mechanismen den Wettbewerb zwischen Unternehmen behindern, welche ihn fördern und wie ein fairer Wettbewerb letztendlich unser aller Leben verbessern kann, beschreiben die beiden Professoren Günter Faltin und Jürgen Zimmer in ihrem Buch “Reichtum von unten”.

Einige denkwürdige Zitate aus dem vorher genannten Buch sind:

  • … Je weniger Markt existiert, je unverfrorener die Grossen unheilige Allianzen bilden, Vetternwirtschaft betreiben, Politiker vor ihren Karren spannen und mit staatlichem Doping arbeiten können, desto geringer sind naturgemäß die Chancen der Kleinen.Sie brauchen das fair play. Sie kommen nur schwer über die Startlinie hinaus, wenn ihnen bürokratische Stolperdrähte den Weg versperren, die Keule des Dumping auf ihr Haupt niedergeht oder sich hohe Hürden aus Zöllen und Quotenregelungen vor ihnen auftürmen … (S. 103)
  • … Der Markt ist der natürliche Feind der Unternehmer. Je mehr Unternehmer antreten, je mehr Konkurrenz und Transparenz herrschen, desto weniger Gewinne lassen sich erwirtschaften. Im Modell führen eine vollständige Transparenz zu Profitraten von Null. In der Dogmengeschichte der Ökonomie gilt Markt als Gegenkraft zum Gewinninteresse der Unternehmer. Wer Reichen an den Kragen will, muß für mehr Markt sorgen. Wer angehäufte Gewinne umverteilen will, wer von der Vision geleitet ist, daß nicht wenige über große Jachten und Luxusvillen, sondern viele über kleinere Boote und schmucke Häuschen verfügen sollen, muß für mehr Markt eintreten. Mehr Markt meint: mehr Unternehmer, mehr newcomer, mehr Transparenz und Wettbewerb … (S. 29)
  • … Unternehmer der alten Art sind am liebsten Feudalfürsten. Ihr “Markt” gleicht einer territorialen Aufteilung unter wenigen mit der Tendenz zur Vergrößerung oder wenigstens Verfestigung des eigenen Einflußbereichs. Konkurrenten werden, wenn es denn geht, behindert, aus dem Markt gedrückt oder aufgekauft … (S. 31)
  • … Wer an die Vielfalt der Waren im Supermarkt glaubt, kann auf den ersten Blick nicht erkennen, daß Vielfalt der Waren nicht Vielfalt der Wettbewerber bedeuten muß … (S. 31)
  • … Statt sich auf dem Binnen- wie auf dem Weltmarkt dem Wettbewerb zu stellen, ein hartes Training innerhalb dieses Wettbewerbs zu absolvieren und also durch Wettbewerb wettbewerbsfähig zu werden, bilden die Herren in den Leitungsetagen lieber nationale Zusammenschlüsse. Jeder hängt dann mit jedem zusammen, kontrolliert sich gegenseitig und tritt sich möglichst wenig auf die Füße. Dieses mehrdimensionale Flechtwerk wird, kaum noch durchschau- und durchdringbar, von Banken und Versicherungen gestützt, die durch jeweilige Anteile miteinander verbunden und ihrerseits an vielen Unternehmen direkt oder indirekt beteiligt sind … (S. 32)
  • … Die Opfer dieses trüben Spiels der Großen und ihrer politischen Freunde sind – nimmt man nur den Norden – die kleinen Betriebe und vor allem die Verbraucher. Die Steuerzahler werden betrogen und bezahlen den Betrug obendrein. James Bovard hat den amerikanischen Begriff vom “fair trade” demontiert und als eine der großen intellektuellen Betrügereien des 20. Jahrhunderts bezeichnet … (S. 38)

 

problem

Große Unternehmen können wesentlich besser rationalisieren und so höhere Gewinne machen, als die kleinen Unternehmen.

Sie können beispielsweise durch die hohen Abnahmemengen, gute Rabatte aushandeln und so Produkte und Dienste günstiger einkaufen. Sie haben für alle Fachgebiete, entsprechende Fachabteilungen, die für kleine Betriebe einfach unerschwinglich wären. Auch können sie für viele Routine- und Pflichtarbeiten entsprechende Maschinen einsetzen und so kostengünstiger und schneller arbeiten als ihre kleinen Konkurrenten.

All das verschafft ihnen einen geldwerten Vorteil gegenüber den kleinen Unternehmen. Somit können sie ihre Produkte bzw. Dienste günstiger anbieten, nicht weil sie effizienter arbeiten oder einfach besser sind, sondern nur weil sie wegen ihrer Größe besser rationalisieren können.

Ein Beispiel dafür ist IT und Medientechnikbranche. Da fusionieren zunehmend große Unternehmen zu immer noch größeren Unternehmen und verdrängen dann kleine lukrative Unternehmen, die oft über Jahrzehnte einen für sie ausreichenden Marktanteil hatten vom Markt. Auch die Politik hilft kräftig mit, indem sie Normen, wie etwa die ISO 9001 zulässt. Diese Zertifizierung ist notwendig um an größere Aufträge zu kommen. Leider können sich die kleinen Unternehmen auf Grund des enormen personalen Aufwands diese Zertifizierung nicht leisten.

Dieser Zertifizierungswahn durchzieht mittlerweile die ganze Wirtschaft. Wer zum Beispiel als Seminaranbieter in das Programm für Bildungsgutscheine der Arbeitsagentur möchte, der braucht dafür ein entsprechendes Zertifikat. Die Überprüfung der jeweiligen Bildungsprodukte und deren Zertifizierung kostet ca. 10000 €. Welches kleine Unternehmen kann sich das leisten?

Die Großen Unternehmen nehmen den “Kleinen” die Aufträge weg, weil sie durch die schiere Menge an Aufträgen diese günstiger umsetzen können. Außerdem kommen sie günstiger an Ausrüstung und Material, weil sie durch die grossen Abnahmemengen, günstige Rabatte bekommen.

Viele kleine Unternehmen verlieren so nach und nach Kunden, die zur günstigeren Konkurrenz wechseln. Das geht solange bis das kleine Unternehmen nicht mehr profitabel arbeiten kann und schließlich aufgeben muss.

Kleine finanzschwache Unternehmer haben im Wettbewerb mit den Großen – die ihre Vormachtstellung geschickt ausnutzen – keine Chance.

Auch dann nicht, wenn sie sehr innovativ und wendig sind, weil sie die bürokratischen Pflichten, weder zeitlich und personell noch finanziell stemmen können. Es gibt einfach zuviel Prüfungen, Zertifikate, Belege, Pflichten zur Prozessdokumentation, juristische Stellungnahmen usw.)

Durch diese Art des Wettbewerbs, gehen viele kleine Unternehmen zugrunde und am Ende des Konkurrenzkampfs würden nur noch wenige große Unternehmen übrig bleiben.

So werden die Kleinen vom Markt verdrängt, indem sie Normen und bürokratische Pflichten nicht erfüllen können und in Rabattschlachten unterliegen.

Wie könnten wir dieses Problem lösen?

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loesung

Mein Vorschlag ist: Drehen wir mit Hilfe funktionierender Netzwerke, den Spieß um.

Bildquelle: gemeinschaften.ch, Markus Rüegg

Die Netzwerke der Kleinen für einen fairen Wettbewerb mit den grossen Unternehmen

Eine Möglichkeit dazu wäre es, daß die kleinen Unternehmen kooperieren und so auch von den Vorteilen der Großen profitieren können. Als großes Netzwerk organisiert können die Kleinen dann ebenfalls gute Einkaufsrabatte aushandeln, optimal voneinander lernen und große Aufträge schultern.

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Eine weitere, vielleicht nicht so naheliegende Möglichkeit wäre folgende:

Wir Kunden könnten ein Netzwerk bilden, daß die gut wirtschaftenden, kleinen Unternehmen unterstützt, indem wir bewusst dort einkaufen.

 

Im Grunde könnte für die Vernetzung der Unternehmen zu einem bestimmten Thema, ein Startup gegründet werden.

Auf der entsprechenden Internet-Plattform können die Kunden, die jeweils für ihren Ort relevanten Kleinunternehmen ausfindig machen und Kontakt aufnehmen. Auch können sie die Unternehmen über diese Plattform bewerten, so daß auch andere von den guten Leistungen des jeweiligen Anbieters erfahren.

Außerdem dient die Plattform auch als Treffpunkt für die dort kooperierenden Unternehmen. So können dort beispielsweise die gemeinsamen Einkäufe organisiert werden oder gemeinsame Markting-Kampagnen.

So können wir wirksam verhindern, daß Einzelne immer grösser werden und die Kleinen aufkaufen oder vom Markt verdrängen.

 

Damit sorgen wir für viele kleine Einkommen, anstatt wenig Große. So verteilt sich das Geld und damit die Macht auf viele kleine Unternehmen.

 

So beugen wir Machtmißbrauch vor und falls es doch passiert, sind die Auswirkungen nicht so extrem.

Den im Netzwerk können die Unternehmen mit den Kunden über diese Probleme kommunizieren und so gemeinsam Lösungen finden.

 

Ein weiterer Vorteil ist, daß wir die kleinen Unternehmen selbst mitbeeinflussen können, während die Großen im Fall des Falles einfach über unsere Köpfe hinweg entscheiden.

Die eben beschriebenen und viele weitere Entwicklungen hin zu einer sich selbst organisierenden Gesellschaft, werden in dem Maße Erfolg haben, in welchem der einzene die Verantwortung für sich und das Gemeinwohl übernimmt.

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