Vor- und Nachteile von virtuellen Gemeinschaften

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Hier sollen nun die Vorteile und Nachteile von virtuellen Gemeinschaften gegenüber den Such-, Informations- und übrigen Kommunikationsdiensten des Internets untersucht werden. Die Vor- und Nachteile sind durch ihre Reihenfolge gewichtet, das heißt, die Punkte mit hohem Gewicht werden zuerst aufgeführt, die Punkte mit geringem Gewicht folgen weiter unten. Danach werden die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen und ein Fazit gezogen. Der abschließende Satz nimmt Bezug auf den Vorteil mit dem größten Gewicht.


Für die Diskussion zu beliebigen Themen gibt es ein Musterformular. Eine gute Übung für eine solche Diskussion ist, wenn Sie die nachfolgende Diskussion mit Hilfe der Mustervorlage einmal für sich selbst durchführen und zwar bevor Sie die Inhalte durchgelesen haben.

Gruppenaufgabe
Die nachfolgende Diskussion soll Sie, wie im Lehrkonzept schon erwähnt, zu einer kritischen Denkweise bezüglich des Umgangs mit dem jeweiligen Internetdienst anregen und vor allem einen Basisstoff liefern über den Sie innerhalb Ihrer Gruppe über das "Gruppenforum" diskutieren können. Die konkrete Aufgabe finden Sie in den "Wiederholungsfragen und Übungsaufgaben".

Diskussion

Vorteile (Mehrwerte):

  • Virtuelle Gemeinschaften zu einem bestimmten Themengebiet bieten die Möglichkeit, die Informationen, die beispielsweise im Familien- Freundes- und Bekanntenkreis nicht zu beschaffen sind, leicht von zuhause aus zugänglich, in einer ebenfalls vertrauten Umgebung bereitzustellen
    Der glaubwürdige und informative Austausch von Informationen, Erfahrungen und Meinungen innerhalb einer virtuellen Gemeinschaft stellt somit dem Community-Mitglied eine wertvolle Ergänzung zur herkömmlichen Informationsbeschaffung bereit.

  • Oft stehen innerhalb einer virtuellen Gemeinschaft bezahlte oder ehrenamtliche Experten mit einer nachgewiesenen (jederzeit abrufbaren) Qualifikation zur Verfügung, um Fragen zu beantworten oder Probleme zu lösen, was bei den einzelnen Diskussionsforen (Webforen und Newsgroups), Diskussionslisten und Chatforen (Webchats und IRC-Kanäle) nicht immer der Fall ist
    Bei den Experten handelt es sich um staatlich anerkannte Fachleute wie praktizierende Ärzte, Journalisten, aber auch erfahrene Autodidakten, die dem Wissbegierigen tiefgehende Fragen zu ihrem Fachgebiet per E-Mail, Webforen, Chatforen oder Telefon beantworten. Häufig stellen diese Experten noch weitere Informationen auf der Website des Community-Anbieters bereit. Dazu gehören Links zu interessanten Internetseiten, um einen informativen Einstieg in ein Thema zu bekommen, oder von den Experten selbst verfasste aktuelle Artikel (News) zum Thema, um Hintergrundinformationen zu liefern.

  • Um die Glaubwürdigkeit und die Qualität der angebotenen Informationen zu erhöhen, wird das Kommunikationsangebot einer virtuellen Gemeinschaft intensiv betreut, was bei  den einzelnen Diskussionsforen (Webforen und Newsgroups), Diskussionslisten und Chatforen (Webchats und IRC-Kanäle) häufig nicht der Fall ist
    Das Problem bei vielen Diskussions- und Chatforen oder Diskussionslisten ist, daß die Qualität der Antworten nicht überprüft wird; jeder kann antworten und der Fragende muss selbst entscheiden, wie glaubwürdig die jeweilige Antwort ist. Weiterhin gibt es auch keinen Nachweis der Identität des Antwortenden; beispielsweise könnte der Anbieter eines Produkts im Schutze der Anonymität in die Rolle des Käufers schlüpfen und sein Produkt mit Etiketten versehen, die es eigentlich nicht verdient.
    Die genannten Probleme versuchen virtuelle Gemeinschaften durch Bewertungssysteme für die Antworten, durch Ausfiltern von unqualifizierten Beiträgen und einer Qualitätsprüfung der Experten selbst zu lösen. Die Identität und der Motivationsgrad des Mitglieds soll dabei durch eine notwendige Registrierung sichergestellt werden. Außerdem kann der Anwender sich über die berufliche Laufbahn und sonstige Daten des Experten informieren, womit dieser eine nachweisliche Identität hat. Darüber, daß die genannten Lösungen sehr schwer in die Praxis umzusetzen sind, soll später im Fazit kurz diskutiert werden.

  • Virtuelle Gemeinschaften, bei denen viele aktive Mitglieder teilnehmen, können zur kollektiven Bewertung von Informationen oder Diensten genutzt werden und so dem Einzelnen bei der Beurteilung der Relevanz und Qualität einer bestimmten Information oder eines bestimmten Dienstes helfen.
    Die Qualität der kollektiven Bewertung hängt dabei wesentlich von der Menge der Bewerter ab, so daß diese Möglichkeit nur bei beliebten Themen und Fragestellungen genutzt werden kann.

  • Das Internetangebot wird in der Regel auf die Bedürfnisse der Mitglieder der virtuellen Gemeinschaft ausgerichtet, so daß meist eine Vielzahl von einzelnen Informationsquellen über eine Plattform zur Verfügung stehen
    Das bedeutet für den Anwender, er muss die Informationsquellen wie aktuelle Nachrichten und Artikel, die Newsletter, einen Bereich zum Dateien- und Dokumententausch, das Diskussionsforum oder das Chatforum zu einem bestimmten Themengebiet nicht einzeln suchen, sondern wählt eine geeignete virtuelle Gemeinschaft zu dem betreffenden Thema, in der er all die vorher genannten und weitere Informationsquellen vorfindet.

  • Im Gegensatz zu den reinen Suchdiensten, wie den großen Suchmaschinen und Suchkatalogen des World Wide Web kann man auch mit anderen Anwendern in Kontakt treten
    Ein großes Problem von Suchmaschinen ist, daß der Anwender häufig trotz genauer Suchanfragen zuviel mehr oder minder relevante Dokumente im Suchergebnis erhält. Das liegt daran, daß die Bewertungssysteme der Suchmaschinen unvollkommen sind; deshalb ist nicht gewiss, ob die am Anfang der Ergebnisliste stehenden Informationen wirklich die relevantesten und wichtigsten sind. Ein weiteres Problem ist, daß Suchmaschinen auf tiefgehende Fragen zu einem Themengebiet meist sehr unübersichtliche oder gar keine Suchergebnisse liefern. Beispiele für Fragen dieser Art wären solche zur Bedienung eines bestimmten Programms für einen sehr speziellen Anwendungsfall oder zu aktuellen politischen Entwicklungen. Suchkataloge eignen sich grundsätzlich nicht, um eine Antwort auf eine bestimmte Frage zu finden, sondern sind mehr für die Suche nach internetkurs/allgemeinen Informationen zu einem Themen geeignet. 
    Innerhalb einer virtuellen Gemeinschaft, bei der sich Fachleute und Fachinteressierte zusammenschließen, ist die Chance, eine Antwort auf eine spezielle Frage zu finden, wesentlich höher, als dies bei den kostenlosen Such- und Informationsdiensten des World Wide Web der Fall ist. Für die Fragenden besteht dort der Vorteil, Fragen in gewohnter Weise in Satzform stellen zu können, nicht beschränkt auf wenige Stichworte wie in Suchmaschinen. Der antwortende Fachmann oder Fachinteressierte kann Fragen stellen, um die Fragestellung weiter einzuschränken, und steht damit dem Anwender als persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung. Außerdem muß die Frage nicht selbst aus dem Inhalt der gefundenen Dokumente herausgesucht werden.

  • Die Bindung der Mitglieder innerhalb einer virtuellen Gemeinschaft ist häufig ausgeprägter, als dies in einzelnen Diskussionsforen (Webforen und Newsgroups), Diskussionslisten und Chatforen (Webchats und IRC-Kanäle) der Fall ist
    Dies gilt allerdings nur, wenn die virtuelle Gemeinschaft einen glaubwürdigen und qualitativ hochwertigen Informationsaustausch anbietet. 

Nachteile:

  • Community-Anbieter können, schwer nachvollziehbar sowohl für das Mitglied selbst als auch für rechtliche Instanzen, gegen die Gesetze zum Datenschutz verstoßen
    Der Haken an der Sache ist, daß die Betreiber die technische Bereitstellung der Community irgendwie bezahlen müssen. Die Haupteinnahmequelle ist dabei die gezielte Werbung, für deren praktische Umsetzung die Mitglieder teilweise aufwändige Registrierungen über sich ergehen lassen müssen. Aufwändig bedeutet, daß auch Angaben zum Alter oder zum Einkommen verlangt werden, die man aber keinesfalls machen sollte.
    Noch schwerwiegender ist, daß ein skrupelloser Anbieter die persönlichen Daten der Mitglieder, schwer nachvollziehbar sowohl für das Mitglied selbst als auch für rechtliche Instanzen, dazu missbrauchen kann, um Persönlichkeitsprofile zu erstellen und diese gegen entsprechendes Geld an unbefugte Dritte zu veräußern. 

  • Die Community kann durch Mitglieder mit falschen Identitäten bewusst manipuliert werden
    Ein von einem Unternehmen bezahltes Mitglied könnte sich unter einer falschen Identität in die Community einschleichen und dort Schleichwerbung für das eigene Produkt betreiben oder gar negative Meinungen über das Konkurrenzprodukt verbreiten. 

  • Bei großen Gemeinschaften kann es zu Problemen mit der Informationsflut und dem  Gemeinschaftsgefühl kommen 
    Erreicht die Community eine zu große Zahl an (aktiven) Mitgliedern, dann wird der gezielte Zugriff auf die Masse der darin erzeugten Informationen immer schwieriger. Wie auch aus dem privaten Leben bekannt ist, sind kleine Gemeinschaften, deren Mitglieder sich gut verstehen, langlebiger als große, bei denen sich die Mitglieder nicht oder nur flüchtig kennen. Diese Tatsache wird auch durch zahlreiche Untersuchungen belegt. Deshalb sollten zu groß gewordene Diskussionsgruppen eines umfangreichen Themas in mehrere Teilgruppen und entsprechende Unterthemen aufgeteilt werden. Damit werden beide Probleme gelöst, zum einen die Unübersichtlichkeit der vorhandenen Informationen, zum anderen der Zerfall des Gemeinschaftsgefühls. 

  • Sie bergen die Gefahr der zentralen Informationsversorgung für Mitglieder, die ihre Informationen zum jeweiligen Themengebiet nur noch über die virtuelle Gemeinschaft beschaffen
    Das bedeutet, daß diese Mitglieder nur auf die Informationen zugreifen, die von der virtuellen Gemeinschaft bereitgestellt werden. Dadurch entsteht ein weiteres wesentliches Problem, nämlich das der gezielten Manipulation. Ein Beispiel hierfür wäre das Anbieten bestimmter Produkte nicht ihrer Qualität wegen, sondern weil die Hersteller entsprechend dafür bezahlt haben. Kleine Kommunikationsdienste können mit dem Bekanntheitsgrad und der Menge der von einer großen virtuellen Gemeinschaft erzeugten Informationen nicht mithalten und werden deshalb nur von wenig Anwendern besucht, obwohl deren Informationen vielleicht wesentlich glaubwürdiger und gehaltvoller sind.

  • Manche Community-Betreiber üben eine zu starke Kontrolle auf den Informationsaustausch zwischen den Community-Mitgliedern aus
    Damit wird ein offener und motivierter Austausch von Informationen, Erfahrungen und Meinungen unterbunden. Gerade davon jedoch lebt eine erfolgreiche virtuelle Gemeinschaft. 

Fazit

Die Vorteile einer virtuellen Gemeinschaft bieten also echte Mehrwerte und das nicht nur gegenüber den übrigen Informationsquellen des Internets, sondern auch ganz internetkurs/allgemein gegenüber der traditionellen Informationsbeschaffung. Wo findet man sonst die Möglichkeit, zu einer nahezu unbegrenzten Themenvielfalt von zuhause aus mit anderen Interessierten in Kontakt zu treten, um mit diesen Informationen und Meinungen über das jeweilige Thema auszutauschen ?
Doch damit die genannten Mehrwerte einer virtuellen Gemeinschaft tatsächlich zum Tragen kommen, muss den Mitgliedern ein glaubwürdiger und qualitativ hochwertiger Informationsaustausch geboten werden.
Eine erfolgreiche Community muss also gut geplant, benutzerfreundlich strukturiert und professionell betreut werden.

Grundsätzlich muß der Anbieter der Community, glaubwürdig vermitteln können, daß seine kommerziellen Interessen weit hinter dem Anliegen stehen, anderen Menschen eine technische Plattform zum glaubwürdigen Informations- und Wissensaustausch zur Verfügung zu stellen. Nur so kann er die Mitglieder für sich gewinnen, die an einem glaubwürdigen Informationsaustausch interessiert sind, also Mitglieder die selbst keine kommerziellen Interessen verfolgen, sondern über ihre persönlichen Erfahrungen offen, sachlich und ehrlich berichten. In der Regel entsteht das dazu notwendige Vertrauen, dadurch, daß Gemeinsamkeiten, wie etwa, gleiche familiäre Vorgeschichten, die Erfahrungen bei ähnlichen beruflichen Aufgabengebieten, die Reiserlebnisse an einem bestimmten Urlaubsort oder die gemeinsame Leidensgeschichte bezüglich einer bestimmten Krankheit, beim jeweils anderen erkannt werden. Die schwierigste Aufgabe des Community-Anbieter besteht also darin, die Kommunikation in Gang zu bringen, die notwendig ist, damit die Mitglieder diese Gemeinsamkeiten beim jeweils anderen entdecken können. Eine weitere wichtige Vorraussetzung um Vertrauen zu erzeugen, ist die nachweisbare Identität des jeweils anderen. Nur so kann man einigermaßen verhindern, daß sich jemand gezielt in die Community einschleicht und mit unterschiedlichen Identitäten, beispielsweise Schleichwerbung für das eigene Produkt betreibt oder gar negative (nicht wahre) Meinungen über das Konkurrenzprodukt verbreitet. Die zum Identitätsnachweis notwendigen persönlichen Daten muss das Mitglied bei der Registrierung angeben. Die Registrierung dient dabei als Mittel um potentiell engagierte Mitglieder von sporadischen Besuchern zu trennen, da dem letzteren der Aufwand zur Registrierung und die Preisgabe von persönlichen Daten wahrscheinlich davon abhalten wird, Mitglied der Community zu werden. Andererseits könnte gerade dies der Grund für manchen Anwender mit gutem Willen sein, einen anderen Kommunikationsdienst zum gleichen Thema zu suchen, bei dem keine Registrierung erforderlich ist. Das Problem ist also das die Registrierung einerseits eine nachweisbare Identität des Community-Mitglieds liefern, andererseits aber keine Misstrauenshaltung gegenüber dem Teilnehmer demonstriert werden soll. 

Der Nutzen einer Community steigt mit der Anzahl der Mitglieder, da damit in der Regel auch die Verfügbarkeit und Glaubwürdigkeit von Informationen zunimmt. Die Zahl der Mitglieder kann beispielsweise durch entsprechende Bekanntmachungsstrategien in Form von Werbung, zusätzlichen Informationen wie News oder Tipps und durch die Bereitstellung von Unterhaltungsangeboten (Gewinnspiele, Gesellschaftsspiele,…) erhöht werden. Das Problem hierbei ist, daß mit der Anzahl der Mitglieder auch das Informationsaufkommen steigt und dies wiederum dazu führen kann, daß wichtige Informationen Informationen verloren gehen. Außerdem nimmt mit zunehmender Mitgliedszahl der, denn kleine Gemeinschaften, deren Mitglieder sich gut verstehen, sind langlebiger als große, bei denen sich die Mitglieder nicht oder nur flüchtig kennen. Wird die Mitgliederzahl der Community zu groß, so kann sie in mehrere kleine Gruppen unterteilt werden. Ein praktisches Beispiel hierzu ist das Experten-Netzwerk Wer-weiss-was.de.

Um einen qualitativ hochwertigen Informationsaustausch aufzubauen, ist es notwendig, daß die Community gut betreut wird. Dazu ist es beispielsweise erforderlich, daß der Anbieter innerhalb von 24 Stunden auf etwaige Beschwerden oder Fragen von Kunden reagiert. 
Fragen, die in die Diskussionsforen gestellt und nicht von anderen Mitgliedern binnen eines Tages beantwortet werden, sollten durch den Community-Betreiber bzw. den zuständigen Moderator des Forums beantwortet werden. 

Weiterhin sollte der Community-Anbieter regelmäßig interessante Diskussionen anstoßen, um den Informationsgehalt hoch zu halten. Auch angekündigte und moderierte Experten-Chats sorgen für einen hochwertigen Informationsaustausch.

Unqualifizierte Beiträge, die beispielsweise obszöne Wörter enthalten, müssen ausgefiltert werden, bevor die anderen Community-Mitglieder diese auf den Bildschirm bekommen. Eine Möglichkeit, die unqualifizierten oder gar störenden Beiträge auf einem minimalen Stand zu halten, ist, die Kommunikation innerhalb der Community durch Moderatoren zu kontrollieren. Diese können Beiträge bearbeiten, löschen oder verschieben und unangenehme Spaßvögel nach einer Verwarnung aus der Community ausschließen. Dabei sollte die Kontrolle nicht zu intensiv sein, da es Mitglieder, die sich dadurch bevormundet fühlen, abschrecken könnte, sich weiterhin am Informationsaustausch zu beteiligen.

Um die Mitglieder zu motivieren, sich rege am Informationsaustausch der Community zu beteiligen, können Bewertungssysteme, mit denen Mitglieder, die Beiträge anderer Community-Teilnehmer bewerten können, ein nützliches Instrument sein. Besonders vorteilhaft an den Bewertungssystemen ist, daß alle Community-Mitglieder an der Bewertung der Kommunikation teilnehmen können. Damit zeigt der Anbieter, daß ihm die Meinung seiner Mitglieder wichtig ist, außerdem hat die kollektive Bewertung mehrerer Mitglieder, in der Regel, eine höhere Aussagekraft, als die eines einzelnen, beispielsweise eines Mitarbeiters des Community-Anbieters. Die Mitglieder mit den besten Bewertungen werden dann beispielsweise in einer Top-Ten-Liste auf der Startseite der Website des Anbieters präsentiert. Eine weitere Möglichkeit ist die materielle Belohnung der Mitglieder, die sich rege in den Informationsaustausch der Community einbringen. Dazu könnten beispielsweise die Verfasser der am  besten beurteilten Beiträge an der Verlosung einer Stereoanlage teilnehmen. 

Man sollte jedoch die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung eines sowohl für den Fragesteller als auch für den Antwortenden (Experte) gerechten Bewertungssystems (siehe auch die Antwort zur Frage "Wie kann man sich ein Experten-Netzwerk und einen Experten-Suchdienst anhand eines praktischen Beispiels vorstellen  ?") nicht unterschätzen. Wer soll bewerten: nur der Fragende, der es eigentlich am besten wissen muss, ob die Antwort des Experten für ihn gut war, oder alle Mitglieder nach dem Motto: die Masse entscheidet am glaubwürdigsten ? Was soll bewertet werden: die Fachkenntnis des Experten oder wie viel Wissen tatsächlich vom Experten zum Fragenden transportiert wurde ? Wer bewertet eigentlich den Bewerter ? Wie man unschwer erkennen kann, ist der Aufbau einer erfolgreichen Community eine Aufgabe, die neben Fachkenntnis viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Abschließender Satz

Der wohl größte Vorteil einer virtuellen Gemeinschaft ist der, daß dort glaubwürdige Informationen, Meinungen und Erfahrungen von anderen Menschen leicht und von zuhause aus zugänglich eingeholt werden können, die im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis nicht zu beschaffen sind.  

Nachfolgend soll ein praktisches Beispiel genannt werden, das vielen aus dem Alltag bekannt sein dürfte. Sie wollen ein Produkt kaufen und wissen nicht, worauf sie achten müssen und welches besonders gut und günstig ist. Da gibt es zunächst die Angaben des Herstellers, die zwar am leichtesten verfügbar (Prospekte, Internetseite usw.) sind, aber zugleich einen geringen Informationswert aufweisen, da der Hersteller sein Produkt so bewertet, daß er es bestmöglich verkaufen kann. Woher soll der Ratsuchende also glaubwürdige Informationen zu einem Produkt beziehen ? Rein sachlich und mit sehr aussagekräftigen Informationen versehen sind beispielsweise professionelle Testberichte, wie etwa die der Stiftung Warentest, das bestätigen auch viele Verbraucher. Die Realität zeigt jedoch, daß ein großer Teil der Konsumenten andere Informationsquellen für die Kaufentscheidung heranzieht. Nach einer Untersuchung des Allensbacher Institutes aus dem Jahr 1999 informieren sich 74 % der Bundesbürger über Themen, die sie besonders interessieren, bei der Familie, Freunden oder Bekannten. Doch was ist, wenn Sie dort auch keine Antworten auf Ihre Fragen finden ? Hier setzt die virtuelle Gemeinschaft an, indem sie das Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Interaktion und Vertrauen befriedigt, das für viele Konsumenten auch im Offline-Einkauf wichtig ist. Der Hilfe- und Ratsuchende kann so doch noch den entscheidenden Tipp in der jeweiligen Community finden. Der glaubwürdige und informative Austausch von Informationen, Erfahrungen und Meinungen innerhalb einer virtuellen Gemeinschaft stellt somit dem Community-Mitglied eine wertvolle Ergänzung zur herkömmlichen Informationsbeschaffung bereit.

Mit der zunehmenden Verbreitung und Akzeptanz des Internets werden zukünftig immer mehr Menschen die Mehrwerte, die das Internet nun einmal bietet, erkennen und schätzen lernen. Diese Aussage wird auch durch das Informationsverhalten der Jugendlichen bestätigt, die heute schon doppelt so häufig wie die Erwachsenen das Internet zur Gewinnung von Informationen heranziehen. Die kommenden Generationen, die mit dem Internet groß werden, bekommen ein völlig anderes Verhältnis dazu. Sie verwenden es als nützliche Hilfe zur Lösung der Aufgaben des Alltags, um anderen zu helfen oder einfach nur, um sich zu unterhalten. Auch die älteren Mitbürger sehen zunehmend einen Nutzen im Internet, über das sie kostengünstig von zuhause aus mit anderen über Themen wie beispielsweise Politik diskutieren oder sich einfach über die Geschehnisse des Alltags austauschen können. Das Internet kann also auch als technisches Hilfsmittel dienen um der Einsamkeit zu entrinnen.

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